Was ich zu hören bekam, als ich Leuten vom Ausmisten erzählte

Es dauerte eine ganze Weile bis ich mich mit dem Thema „Ausmisten“ nach draußen wagte. Es ist für mich nicht etwas wie Wäsche waschen oder Kochen. Nein, es hat eine ganze andere Qualität und (positive) Auswirkung auf mein Leben und das der ganzen Familie. Und auch nicht alle Menschen können nachvollziehen, wenn man beim Entrümpeln so im Flow ist, obwohl es tierisch anstrengt.

Einige der Gespräche gehen mir nicht mehr aus dem Sinn und ich möchte sie gerne mit euch teilen.

Entrümpeln mit Kindern? Das geht nicht.

An einem Sonntag war mein Sohn bei einer befreundeten Familie zum Spielen. Sie haben drei Kinder und die Mutter ist beruflich leider wenig zu Hause. Der Vater managt neben der Firma das meiste rund um die Kinder.
Als ich beim Abholen vom Ausmisten erzählte, sah mich der Vater ganz entmutigt und fast traurig an. Ja, er würde so gerne auch entrümpeln, aber mit drei Kindern ginge das ja nicht.
Sein Gesicht sehe ich heute noch vor mir. Die Ohnmacht, die darin lag. Ausgebremst den ersten Schritt zu mehr Leichtigkeit zu gehen. Ich konnte richtig mitfühlen, aber merkte, dass er (noch) nicht offen war fürs Ausmisten mit Kindern. Zu sehr noch bei den Gedanken, es ginge mit drei Kindern einfach nicht.
Dabei wären doch z. B. der Motivationsbogen der Ausmist-Challenge oder auch die Tipps fürs „Kinderzimmer ausmisten“ eine tolle Starthilfe finde ich.

Der ganze Kram bereitet mir Stress

Im Bauernladen traf ich einige Zeit später eine Bekannte. Auch sie hat drei Kinder und ist damit beschäftigt sie von einem Sporttraining oder -Event zum nächsten zu fahren. Als ich ihr vom Ausmisten erzählte, belächelte sie mich fast und meinte „Na dann viel Erfolg dabei“. Aber in einem Ton, der eher von Sarkasmus geprägt war. Es kam mir vor, als wäre sie neidisch. Doch dann wendete sich interessanter Weise das Blatt.
Ach sie wären ja wieder mit dem Haus zu Gange, eine neue Mauer bauen… Aber eigentlich denke sie auch öfter an ein kleineres Haus. Das ganze Zeug was da mit drei Kindern und zwei Hunden rumliegt sei ihr einfach zu viel und bereite ihr Stress.
Wow, das fand ich toll, dass sich die Bekannte so geöffnet hat und ehrlich war. Doch scheint sie in ihrem Alltag und dem vollgepackten Terminkalender so gefangen, dass sie keine Zeit hat, um an einer Veränderung wie dem Ausmisten weiterzuspinnen.

Ich komme überhaupt nicht zum Nachdenken

Wieder dort im gleichen Bauernladen begegnete ich ein paar Tage später einer weiteren Bekannten. Wir tauschten uns kurz aus. Auch ihr erzählte ich strahlend vom Entrümpeln. Sie starrte mich nur an in ihrem „Funktionieren“. Sie wäre neben ein wenig Arbeit fast ausschließlich dabei, ihre drei Kinder umherzufahren. Sport, dies und das, egal ob nach der Schule oder am Wochenende. Wow dachte ich, was sich Mütter so alles zumuten nur um das „busy sein“ der Kinder zu unterstützen. „Weißt du,“ sagte sie zu mir, „ich bin so auf Trab, dass ich überhaupt nicht zum Nachdenken komme.“
Das tat mir fast weh zu sehen und zu fühlen, wie eine Mutter sich so aufreibt, statt auch Zeit für sich selbst einzuplanen und aufzutanken. Mitzumachen, dass die Kinder von klein auf schon permanent auf der Überholspur leben. Hm, dachte ich nur insgeheim, den Zeitplan ausmisten, sich und den Kindern Ruhe und Natur gönnen, das können viele Mütter (oder Eltern allgemein) schon gar nicht mehr sehen.

Vor dem Umzug unbedingt noch ausmisten

Auf dem Bauernmarkt im nächsten Ort traf ich eine weitere Bekannte mit ihrem kleinen Sohn. Sie und ihr Partner sind eher alternativ angehaucht und Querdenker (so wie ich ;-) Als ich ihr vom Ausmisten erzählte, war sie voll interessiert und es entwickelte sich ein tolles Gespräch. Obwohl sie schon mit recht wenig leben, will sie vor dem anstehenden Umzug unbedingt noch ausmisten. Aber über ein paar Kleidungsstücke von meinem Junior ist sie dankbar. Und ich freue mich immer, wenn ich Eltern und Kinder kenne, denen ich die Teile „vermachen kann“.

Kann mich nicht von Geschenken zu trennen

Einige Wochen später stand ich vor dem kleinen Kino im Nachbarort und schaute mir interessiert ein Filmplakat an. Eine Bekannte, die ich länger nicht mehr gesehen hatte, tippte mich an. Es war schön die Neuigkeiten auszutauschen. Das Thema Ausmisten fand sie klasse. Da sie beruflich in der Provinz immer wieder umzieht, nutze sie diese Gelegenheit zugleich auch zum Entrümpeln. Sich von Klamotten zu trennen fände sie prima und befreiend. Aber da seien noch die vielen Mitbringsel von ihren Reisen in ferne Länder wie Japan… die sie aber nie benutze im Alltag. Und besonders schwer tue sie sich dabei, sich von Geschenken zu trennen. Sie fühle sich schlecht, Geschenke von Eltern, Freunden… wegzugeben oder wegzuwerfen. Und wenn sie dann beim nächsten Besuch nicht mehr im Haushalt sind…

Ausmisten wirkt auf jeden anders

Ich finde es so spannend, wie Menschen dem Thema Entrümpeln gegenüberstehen und was es in ihnen auslöst. Ganz abhängig vom Lebensstil, der aktuellen Lebenssituation… kann das ganz verschieden sein. Und es gibt so viele Ebenen auf denen man ausmisten kann: Angefangen in den vier Wänden, dem Terminkalender, soziale Kontakte, emotionalen Ballast…

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Claudia Windfelder (Haushaltsfee)

Ausmisten ist Claudias Leidenschaft. Nachdem sie sich selbst von Haus, Garten und viel Kram getrennt hat, fokussiert sie sich auf das, was ihr im Leben wirklich wichtig ist. Die Teilnehmer ihres einzigartigen Online-Kurses „Haushaltsheldinnen“ bekommen alles an die Hand, um ihren Haushalt zu entrümpeln, dauerhaft Ordnung zu halten, Klarheit zu gewinnen und ein befreiteres Leben zu führen. Wenn Claudia nicht am Arbeiten ist, genießt sie die Natur, ist sportlich aktiv, bereitet gesundes Essen zu und widmet sich ihrer persönlichen Entwicklung.

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