Werde jetzt Flecken-Profi...

Lerne jetzt Hausmittel für die 20 wichtigsten Flecken in Haushalt kennen.

Bei uns gibt es kein Spam.

Kinder und Hausarbeit – der große Praxisreport

Infografik: Kinder & Hausarbeit

Es gibt eine Frage, an der sich immer wieder die Geister scheiden und die zu familieninternen Streitigkeiten führt. Sollten Kinder im Haushalt mithelfen und wenn ja, in welchem Maße? Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) kennt hier zumindest kein Pardon. Denn dort heißt es im § 1619 (Dienstleistungen in Haus und Geschäft) ganz klar:

„Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.“

Aber wie lässt sich dieser Paragraph nun in den Alltag übertragen? Kann es wirklich Sinn machen, die möglicherweise von der Hausarbeit nicht gerade begeisterten Kids zu dieser zu zwingen? Wir haben mit Rechtsanwalt Jonas Breyer aus Wiesbaden einen Fachmann befragt, wie der § 1619 heute in der Praxis gelebt und angewandt wird. Doch vorher erfolgt ein kleiner Blick auf einige spannende Statistiken und Umfragen zum Thema Kinder und Hausarbeit.

Umfrage unter Eltern: Ab wann sollten Kinder im Haushalt helfen?

In Deutschland gab es im Jahr 2015 fast 41 Millionen private Haushalte. Davon sind etwa acht Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. Ehepaare mit Kindern bilden hier wiederum mit einem Anteil von 69 Prozent nach wie vor die klare Mehrheit. In einer Umfrage wurden Eltern dazu befragt, ab welchem Alter Kinder sich ihrer Meinung nach regelmäßig an der Hausarbeit beteiligen sollten. Das Ergebnis zeigt, dass bei diesem Thema durchaus eine gewisse Verunsicherung zu herrschen scheint. Während 15 Prozent der Befragten angaben, dass die Kleinen schon ab sechs Jahren mit anpacken sollten, waren wiederum jeweils 17 Prozent der Ansicht, dass dies erst ab zehn beziehungsweise zwölf Jahren oder später richtig sei.

3 Fragen zum Thema Kinder und Hausarbeit: Jurist Jonas Breyer klärt auf

Um Klarheit zu bekommen, wie die gesetzlichen Vorschriften denn nun auszulegen sind und welche Erfahrungswerte es unter Umständen gibt, haben wir Rechtsanwalt Jonas Breyer drei Fragen gestellt. Die Antworten sind wirklich aufschlussreich und zeigen teilweise sogar ganz neue Aspekte auf, die für dich unter Umständen höchst interessant sein könnten.

Haushaltsfee: „Laut § 1619 BGB ist es ja tatsächlich so, dass Kinder dazu verpflichtet sind, ihren Eltern im Haushalt zu helfen – solange sie dort noch wohnen und Unterhalt bekommen. Ist Ihnen ein Fall aus der Praxis bekannt, in dem Eltern ihre – volljährigen – Kinder wirklich vor Gericht gebracht haben, um diese Hilfe geltend zu machen?“

Jonas Breyer: „Ein derartiger Fall ist mir nicht bekannt. Er wäre meines Erachtens schon juristisch nicht empfehlenswert: Das volljährige Kind könnte nämlich noch während des Verfahrens ausziehen und das Verfahren so zum Scheitern bringen. Denn Voraussetzung des Anspruchs ist ja ein gemeinsamer Haushalt. Auch wenn dieser bestünde, beispielsweise bei minderjährigen Kindern, könnten die Eltern zwar symbolisch eine Entscheidung erstreiten, nach der das Kind zu bestimmten Dienstleistungen verpflichtet ist. Sie könnten die Entscheidung aber nicht vollstrecken, also mit staatlichem Zwang durchsetzen. Das liegt darin begründet, dass Deutschland mit Zwangsarbeit gewisse Erfahrungen gesammelt hat.“

Allerdings kann sich der Dienstleistungsanspruch der Eltern in einen Schadensersatzanspruch wandeln, wenn ihr Kind verletzt oder getötet wird. In diesem Zusammenhang gibt es gelegentlich gerichtliche Verfahren. Wenn etwa ein Kind tatkräftig auf dem Bauernhof der Eltern mitgeholfen hat und plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht, kann das existenziell sein.

„Zwischen 3,5 und 7 Wochenstunden bei 12-jährigen Kindern zumutbar“

Haushaltsfee: „Das ist in der Tat ein hochinteressanter Aspekt! Doch zurück zum eigentlichen Paragraphen. Sie erwähnten ja bereits die Zwangsarbeit. Wie verträgt sich diese Vorschrift eigentlich mit dem Verbot der Kinderarbeit?“

Jonas Breyer: „Die Eltern sind an das Jugendarbeitsschutzgesetz gebunden. Dieses erlaubt Kindern aber ausdrücklich „geringfügige Hilfeleistungen […] aufgrund familienrechtlicher Vorschriften“ wie der vorliegenden. Voraussetzung ist, dass die Arbeit der Entwicklung, dem Alter und der Kraft des Kindes angemessen ist. Die Rechtsprechung hat insoweit zwischen 3,5 und 7 Wochenstunden bei 12-jährigen Kindern für zumutbar gehalten. Sobald die Kinder älter werden, lockert das Jugendarbeitsschutzgesetz die Restriktionen stufenweise.“

Wenn es die Eltern mit den Arbeiten übertreiben, kann die Arbeitsschutzbehörde (in Hessen etwa das Regierungspräsidium), das Jugendamt oder das Familiengericht einschreiten.

„Zu berücksichtigen ist auch die Hilfsbedürftigkeit der Eltern“

Haushaltsfee: „Im Gesetzestext heißt es, dass das Kind seinen Eltern „in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise“ im Haushalt zu helfen hat. Dies lässt einigen Interpretationsspielraum. Was würden Sie Eltern empfehlen, wie sie im Alltag vorgehen sollten, um die Hausarbeit auf mehrere Schultern zu verteilen, ohne jemanden zu überlasten?“

Jonas Breyer: „Diese Frage könnte ein Pädagoge oder Psychologe besser beantworten, rechtliche Schritte sind hier oft nicht das Mittel der Wahl. Rechtlich sind das Wohl und die Ausbildung des Kinds vorrangig. Die Arbeit muss dem Alter, der Gesundheit und den körperlichen und geistigen Fähigkeiten des jeweils betroffenen Kindes angemessen sein. Zu berücksichtigen sind aber auch die Hilfsbedürftigkeit seiner Eltern und ihre berufliche Auslastung. Eine klare Richtschnur gibt das Gesetz nicht vor, sondern es ist eine Betrachtung des Einzelfalls vorzunehmen.

Generell finden familiäre Entscheidungen mehr Akzeptanz, wenn sie im Familienrat gemeinsam gefällt wurden. Belohnungen wirken eher als Bestrafungen, und Eltern sollten konsequent sein. In jedem Fall tabu sind körperliche Gewalt und andere entwürdigende Maßnahmen, davon abgesehen, dass die Opfer dieses Verhalten häufig langfristig spiegeln.“

Wir danken Jonas Breyer für seine ausführliches Statements, die klar zeigen, in welche Richtung es gehen sollte. Gemeinsam miteinander reden und eine für alle Beteiligten zufrieden stellende Lösung finden – das sollte immer das Ziel sein, ehe du vor deinem Nachwuchs mit der Keule des Gesetzes wedelst. Was bereits der gesunde Menschenverstand sagt, wird von juristischer Seite also entsprechend untermauert. Dass du kein schlechtes Gewissen haben musst, wenn du deine Kinder in die Hausarbeit einbinden möchtest, kommt hier aber auch deutlich heraus.

Wie helfende Kinder den Familienzusammenhalt stärken

Zweifellos kann es sogar überaus förderlich für den Familienzusammenhalt sein, wenn sich die Kinder im Haushalt mit einbringen. So können die Eltern spürbar entlastet werden und sind weniger gestresst. Sie haben automatisch mehr Zeit für gemeinsame, schöne Aktivitäten mit dem Nachwuchs. Aber auch das Kind selbst kann davon profitieren, wenn du es schon früh mithelfen lässt. Es lernt Verantwortungsbewusstsein und wird stolz sein auf die Aufgaben, die es selbstständig erfolgreich bewältigt hat. So wird wiederum auch ein gesundes Selbstbewusstsein gestärkt.

Dein Sohn oder deine Tochter bekommt außerdem ein Bewusstsein dafür, dass das Leben nicht nur aus Rechten, sondern auch aus Pflichten besteht. Es wächst ein junger Mensch heran, der im Idealfall gerne anderen hilft und sich in eine Gemeinschaft einbringen kann. Diese positiven Eigenschaften schlagen sich nicht nur in einem guten Familienklima nieder, sondern auch in der Schule und im späteren Leben wird dein Kind davon profitieren.

Kinder in die Hausarbeit mit einbeziehen – aber richtig

Wie wir jetzt schon mehrfach festgestellt haben, ist der Verweis auf die gesetzlichen Vorschriften wohl weniger förderlich für die Harmonie zu Hause. Versuche stattdessen, die Kleinen auf eine spielerische Art und Weise an die Aufgaben heranzuführen. Warum nicht einfach aus dem Aufräumen des Kinderzimmers eine spannende Challenge machen, an deren Ende ruhig auch mal eine kleine Belohnung stehen darf? Ganz wichtig ist es, dass du deine Kinder nicht überforderst und ihnen wirklich nur altersgerechte Aufgaben überträgst. Wenn dann doch einmal etwas nicht so gut geklappt hat, helfen aufmunternde Worte viel mehr als schnell ins Destruktive abgleitende Kritik und Vorwürfe.

Ein Lob ist in jeder Lebenslage eine gute Idee. Das gilt auch für das Thema Kinder und Hausarbeit. Je mehr Spaß dein Sprössling bei der Erledigung der ihm übertragenen Arbeiten hat, desto eher wird er beim nächsten Mal vielleicht sogar von sich aus seine Hilfe anbieten. Je genauer du vorher erklärst, was gemacht werden muss, desto geringer ist die Gefahr, dass es zu Missverständnissen kommt.

Eines ist jedoch ganz klar: Die Schule darf unter der Mithilfe im Haushalt niemals leiden. Daher heißt es, erst einmal die Hausaufgaben komplett erledigen und wenn dann noch Zeit ist, kann auch bei anderen Sachen mit angepackt werden. Du wirst sehen, wie sich schon nach wenigen Wochen tolle Routinen entwickeln werden, die es dann beizubehalten gilt. Noch ein Tipp von mir: Lass deinen Nachwuchs doch gelegentlich mit auswählen, bei welchen Tätigkeiten er mithelfen möchte. So bleibt es immer spannend und die Motivation konstant hoch.

Welche Aufgaben können Kinder im Haushalt übernehmen?

Bei welchen Aufgaben und in welchem Maße deine Kinder bei der Hausarbeit mithelfen können, hängt allen voran mit ihrem Alter und ihrem persönlichen Entwicklungsstand zusammen. Zwei- bis Dreijährige solltest du maximal dazu ermuntern, ihre Spielsachen wieder an den dafür bestimmten Platz zurückzulegen. Sind die Kinder zwischen drei und sechs, dann können sie schon etwas eifriger beim Aufräumen ihres Zimmers mitmachen. Vielleicht möchten sie ja sogar mal den Tisch decken oder Blumen gießen? Wichtig ist es, die Kleinen in diesem Stadium auf keinen Fall zu überfordern.

Sind die Kids zwischen sechs und zehn Jahren alt, kannst du ihnen durchaus schon zutrauen, ihr Kinderzimmer komplett eigenständig aufzuräumen. Auch das Betten machen können sie in diesem Alter lernen. Und sicherlich würden sich Mama und Papa auch sehr darüber freuen, etwas Unterstützung beispielsweise beim Staub wischen, Müll rausbringen oder Geschirrspüler ein- und ausräumen zu bekommen. Wenn es Haustiere gibt, macht es Sinn, die Kinder nach und nach an deren artgerechte Betreuung heranzuführen.

Kinder in einem Alter zwischen zehn und 16 Jahren sind in der Lage, fast schon wie ein kleiner Erwachsener diverse Haushaltstätigkeiten zuverlässig und gewissenhaft zu erledigen. Damit können sie eine riesengroße Entlastung für die Eltern darstellen. Vom Einkaufen über das Rasen mähen bis hin zum Kochen und zur Zubereitung von Mahlzeiten könnte das Spektrum der Beiträge deines Nachwuchses rangieren. Sind die Kids handwerklich begabt, spricht nichts dagegen, sie auch in dieser Hinsicht zu involvieren. Ein 15- oder 16-Jähriger Teenager kann zudem auch mal auf seine kleineren Geschwister aufpassen, wenn die Eltern sich einen wohlverdienten zweisamen Abend gönnen möchten.

Fazit: Kommunikation ist alles – Planung das A & O

Wie du siehst, gibt es jede Menge Möglichkeiten, um Kinder und Hausarbeit zusammenzubringen. Der rechtliche Rahmen dafür ist in jedem Fall gegeben und du tust deinen Kids durch die Übertragung verantwortungsvoller Tätigkeiten im Haushalt sogar etwas Gutes für ihre Persönlichkeitsentwicklung. Wie immer im Leben ist es nur entscheidend, dass du es mit dem Einspannen nicht übertreibst. Schule und Ausbildung haben für die jungen Menschen oberste Priorität. Läuft dort alles prima, dann spricht nichts dagegen, sich zu Hause als Teil der Familie aktiv einzubringen.

Mein Tipp: Kommunikation ist alles. Rede mit deinen Kindern und versuche herauszufinden, auf welche Hausarbeiten sie vielleicht sogar von sich aus Lust haben. Es kann natürlich nichts schaden, auch mal eher unliebsame Aufgaben zu erledigen. Sind diese erfolgreich abgeschlossen, werden sich alle umso besser fühlen. Grundsätzlich solltest du aber auf jeden Fall darauf achten, dass der Spaßfaktor nicht zu kurz kommt. Zeig deinen Kindern, dass sie einen wichtigen Beitrag leisten – auch das kann ungemein motivieren. Vielleicht setzt ihr euch zu bestimmten, vorher festgelegten Terminen mit der ganzen Familie nach dem Abendessen hin und besprecht gemeinsam, wer in der kommenden Woche welche Aufgaben erledigt.

Diese Aufgaben schriftlich festzuhalten kann für alle Beteiligten nur von Vorteil sein. Denn so sinkt die Gefahr, dass etwas vergessen geht oder es zu Streitigkeiten kommt. Einen täglichen Putzplan mit Aufgaben für die ganze Familie sowie eine praktische Abhakliste für Wochen und Tage findest du zum Beispiel in meinem Checklisten-Paket: Putzen & Hausarbeit. Einfach herunterladen und direkt starten. Ich möchte auf diese riesige Hilfe bei der effektiven Organisation der Hausarbeit selber nicht mehr verzichten.

Haushalt mit Kind meistern

Hier findest du einen Ratgeber, wie du den Haushalt meistern kannst und dennoch genügend Zeit mit deinem Kind verbringst.

So kannst du Kinder spielerisch in die Hausarbeit einbinden

Im Checklistenpaket Putzen & Hausarbeit sind u. a. folgende Checklisten und Haushaltspläne enthalten:

  • Tür-Abhakliste für das Kinderzimmer (mit Aufgaben und leer)
  • Putzaufgaben für Kinder und Jugendliche
  • Stempelbogen für Kinder als Belohnung

Dabei enthält der Plan „Putzaufgaben für Kinder und Jugendliche“ Aktivitäten für folgende Altersklassen:

  • 3 – 6 Jahre (z. B. Wäscheklammern anreichen)
  • 6 – 10 Jahre (z. B. Esstisch abwischen)
  • 10 – 16 Jahre (z. B. Einkaufen gehen)
  • ab 16 Jahren (z. B. einfache Mahlzeiten kochen)

Hier ein Ausschnitt aus einer der Checklisten

Kinder & Hausarbeit auf einen Blick

Wie denkst du darüber? Wie alt sind deine Kinder und welche Aufgaben gibst du ihnen?

Wie bewertest du den Beitrag?
[Gesamt:21    Durchschnitt: 2.8/5]